Windstärke 10

12. Oktober 2008, Sonntag
36° 9' 45" N, 5° 22' 7" W


Wir kommen uns heute vor, wie der berühmte Martini von James Bond 007:
Wir sind so geschüttelt, dass wir gerührt sind!
Oh ja, wir wussten, dass wir jede Menge Wind aus Osten haben würden, um den 48 Stunden Non-Stop-Trip von Garrucha nach Gibraltar zu schaffen. Aber keiner hat was von schweren Stürmen von Windstärke 10 für die gesamte Strecke vorhergesagt.
Bei Windstärke 3-4, 20 Grad und Regen hieß es Anker auf, denn in der Nordsee ist der Hochsommer auch nicht schöner!
Der Wind baute sich bis zu 50 Knoten auf, Wellen, so hoch, wie wir sie bisher im Mittelmeer noch nie erlebt haben, standen quer zum Wind.
Schlafen war unmöglich, da man selbst im Liegen damit beschäftigt war sich irgendwo festzuhalten.
Wie Güterzüge donnerten in der Nacht die Wellenberge von quer hinten an, hoben Odin in die Höhe, manche spuckten uns an, um dann unter dem Schiff hindurchzulaufen.
Einen Hafen, in dem wir Schutz finden könnten, wäre bei diesem Wetter zu gefährlich anzulaufen, denn es waren einfach zu viel Wind und zu viel Welle. Also Augen zu und durch!
Wenn Odin auf dem Kamm einer Welle war und zu Tal surfte, zeigte das GPS teilweise über 16 Knoten(!) Fahrt an, aber ich kann euch sagen, da wird einem ganz schön mulmig, wenn der ganze Schiffsrumpf vom Wasserdruck zittert.
Nach dreißig Stuunden trafen wir im diesigen Dämmerlich vor Gibraltar ein und da begann ein neuer Tanz.
Eine richtig gehende Wallpurgisnacht ein Hexenkessel lag vor uns!
Ausgerechnet hier kam der Wind aus Westen und in der Meeresenge hatte sich durch die unterschiedlichen Strom- und Windverhältnisse eine so konfuse See aufgebaut, dass einem Angst und Bange werden konnte.
In dieser Waschmaschine sehen wir plötzlich eine rote Leuchtrakete, was bedeutet, dass jemand in Seenot ist. Ein anderes Segelschiff?
Was wir sehen verschlägt uns die Sprache: Ein riesen Frachter kämpft mit den Elementen. Seenotrettungsschiffe überall und der Havarist versucht sich vor beiden Ankern zu halten, schafft es aber nicht, denn der Wind ist zu strak und drückt das Schiff auf die Felsen von Gibralta.
Laut aktueller Seekarte liegen hier in dieser Ecke bereits 33 Wracks unter Wasser.
Wir wissen nicht, was aus dem Havaristen geworden ist, da wir genügend mit uns selbst beschäftigt waren.
Mittlerweile fegten Windhosen über uns hinweg, rissen unser Digi los und drückten Odin, nur vor Top und Takel(=ohne Segel), wie ein Spelzeug auf die Seite.
In der Zwischenzeit war es stockdunkel, die Sicht unter aller Sau und wir rammten fast eine unbeleuchtete Boje. Dennoch fanden wir dank elektronischen Navigationssystems unseren Ankerplatz.
Auch hier standen bis zu zwei Meter Welle und Wind von 40 Knoten.
Es dauerte ewig bis unser Anker endlich hielt. An schlafen war auch in dieser Nacht nicht zu denken, denn das war Yacht-Rodeo, Bullen und wilde Mustangs reiten in einem.
Wie ein wilder Stier bockte unser schwimmendes Heim, dabei machten Anker und Kette Geräusche, die einem in der Seele weh taten.
Bei Tageslicht hieß es Anker auf und neuen Ankerplatz suchen.
Was wir jetzt sahen, glaubten wir kaum.
Unser 30 Kilo Bügelanker hat es durch den Sturm einfach verbogen massiver Stahl, verbogen wie Spielzeug. So ein Mist!
Aber morgen sieht die Welt wieder anders aus!
Bevor ich es vergesse: Nebelig ist es und regnen tut es auch. Wilkommen in Gibralta!

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