Flug nach Nuku Hiva

09. November 2011, Mittwoch
8° 54' 11" S, 140° 5' 48" W


Nach 4 Stunden Flugzeit erreiche ich Nuku Hiva, die Insel auf der das schreckliche Verbrechen an Stefan geschah, welches die Welt schockierte.
Ich will zusammen mit Hannes von der Pukuri und Stefans Vater Erwin die Baju nach Tahiti segeln.
Der kleine heruntergekommene Flughafen ist nur über eine staubige Schotterpiste erreichbar, die durch Berge und Urwald führt und nur mit dem Geländewagen zu meistern ist.
Nach fast 2 Stunden holpriger Fahrt sehe ich die Baju in der riesigen Bucht von Taiohae vor Anker liegen, als sei nie etwas passiert.
Die ganze Zeit hatte ich überlegt, wie es wohl sein wird, wenn ich auf Stefans Vater treffe, den ich auch schon seit einigen Jahren kenne.
Wie soll ich ihm in seiner Trauer um seinen Sohn begegnen?
Wie bricht es einen Mann dessen Kind auf solch grausame weise ums Leben kommt?
Als ich ihm gegenüber stehe, hängt er mir einen Blumenkranz um den Hals, drückt mich und redet.
Er redet und redet ohne Unterlass.
Ich denke mir, es ist wohl seine Art mit der Trauer fertig zu werden!
Nun gut, das ist mir lieber, als mit einem total gebrochenen Mann die Tage auf See zu verbringen.
Aber noch sind wir hier.
Die Regierung stellt uns ein Gästehaus für die Dauer unseres Aufenthaltes zur Verfügung, denn Abreisen dürfen wir noch nicht.
Auf der Baju ist, auf seltsame Weise, plötzlich ein illegaler Revolver aufgetaucht, dessen Herkunft die Staatsanwaltschaft geklärt wissen will.
Auch gut, nutzen wir halt die Zeit um die Baju reisefertig zu machen.
Ständig begegnen uns französische Spezialeinheiten. Schwer bewaffnete Jungs, Marke Einzelkämpfer, auf der Suche nach dem mutmaßlichen Mörder Henri Haiti.
Dessen Vater bittet Stefans Vater um ein Treffen.
Er möchte ihn kennenlernen, mit ihm den Schmerz teilen, den sein Sohn Henri den beiden Familien, Heike und den Menschen hier auf den Marquesas gebracht hat.
Ich bin eigenartig betroffen, als ich den Mann, der die Kraft eines Bären zu haben scheint, so gebrochen und hilflos weinend vor mir sehe.
Mit Tränen in den Augen drückt er Erwin an sein Herz, versucht Antworten zu finden zu dem was geschehen ist. Er wirkt so schrecklich hilflos in seinem Schmerz. Mir selbst kommen fast die Tränen bei so viel Verzweiflung. Ich hatte mir noch nie Gedanken darüber gemacht, wie es in einem solchen Falle der Familie eines Täters geht.

Endlich erhalten wir die Erlaubnis Anker auf zu gehen.
Die Baju nimmt Kurs Richtung Tahiti und der Bordalltag stellt sich ein.
Der Pazifik zeigt sich von seiner sanften Seite, zu sanft! Der Wind schläft ein und wir müssen den Motor starten um irgendwann anzukommen. Unerträglich laut rasselt der alte Diesel vor sich hin, so dass Gespräche verstummen und jeder seinen Gedanken nachhängt. (Sofern es der Krach zulässt.)
Kursänderung!
Unser Sprit wird knapp und wir müssen ein Atoll in den Tuamotus anlaufen, wo es Diesel zu kaufen gibt.
Klasse!!! Nachdem wir ewig Kanister geschleppt haben, frischt der Wind auf und wir können wieder segeln.
Baju liegt jetzt in Tahiti vor Anker und soll verkauft werden.
Das jähe Ende eines Traumes.

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