Erste Atlantik Begegnung

24. Oktober 2008, Freitag
33° 17' 37" N, 11° 9' 4" W


Der erste Sonnenuntergang im Atlantik war so pompös wie ein italienisches Rokoko Gemälde!
Obwohl bestimmt keiner dieser großartigen Künstler, auch nur annähernd mit Farbe und Pinsel das hätte einfagen können, was die Natur da an den abentlichen Himmel zauberte.

Wir hatten die richtige Strömung in der Straße von Gibraltar abgepasst und sind mit dem passenden Wind hindurch geflutscht wie ein Zäpfchen.
Was für ein Empfang, der richtige Wind, die richtige Strömung und das perfekte Wetter zumindest am ersten Tag!
Danach brummte für 30 Stunden der Diesel und schob uns gemächlich Richtung Süden.
Musik hören, Bücher lesen und die Langeweile geniessend, hatten wir plötzlich im Nirgendwo, mitten auf dem Meer, viele Meilen vom Land entfernt, Besuch.
Ein kleiner Vogel, halb so groß wie ein Spatz, fuhr für viele Stunden, total erschöpft als Blinder Passagier mit.
Während wir noch überlegten, wie der wohl so weit auf´s offene Meer kommt, gesellte sich ein weiterer Piepmatz hinzu und wunderte sich wohl auch, wie denn der kleine Kollege hierher kommt.
Komisch, wie man auf dem Meer über kleine alltägliche Dinge, wie einen Vogel, sich so bewusst freuen kann!

Die Ausläufer eines Atlantischen Sturmtiefs beenden unsere Flautenfahrt und brachten uns zuviel Wind, aus der richtigen – aber zu viel Welle aus der falschen Richtung.
Ab jetzt wurde es zwar rauschend schnell, aber so unkomfortabel, dass man sich wünschte, mehr Hände zum Festhalten zu haben.
Einmal flog Bertel bei extremer Schräglage, quer durch die Pantry (Küche) und landete mit dem Hintern im kardanischen Ofen.
Nach dem ersten Schreck er könnte sich weh getan haben, musste ich dann doch Tränen lachen, hätte gerade noch gefehlt, dass der Ofen eingeschaltet war!

Stunde um Stunde, Tag um Tag peitscht uns der stürmische Wind voran, als ob er die Flaute des Zweiten Tages wieder wett machen will.

Ist das das erhabene Atlantiksegeln, von dem Bertel so geschwärmt hat?

Naja, wie dem auch sei. Wir sind heute früh auf Garziosa, einer kleinen Insel des Kanarischen Archipels, vor Anker gegangen und jetzt heißt es erstmal ausschlafen!

In ein zwei Tagen ist der Stress vergessen, Odin und auch wir von der Salzkruste befreit und die Welt ist wieder in Ordnung!

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