Wüstenschiffe und Gotteskrieger

13. Juli 2008, Sonntag
33° 50' 34" N, 7° 26' 55" E


Die Hitze ist fast unerträglich!
Gnadenlos brennt die Wüstensonne vom Himmel und lässt das Thermometer auf 48 Grad steigen. Der Sand und das Geröll reflektieren die flirrende Hitze wie in einer Backröhre.
Wir möchten in einer Oase hinter einem verfallenen Dorf Abkühlung und Schatten finden. Doch irgendetwas stimmt nicht…
Wir passieren gerade einen soeben ausgebrannten Jeep, als wir plötzlich von bis auf die Zähne bewaffneten Gotteskriegern umzingelt sind.

Doch von Anfang an:

Mit Imke und Uli haben wir uns ein Auto gemietet, um das Landesinnere und die Wüste etwas kennenzulernen.
Je weiter wir ins Landesinnere fahren, desto ursprünglicher und unverfälschter wird dieses Arabische Land.
Unser Plan ist es vier Kamele zu mieten und mit diesen an den Rand der Sahara zu reiten, um dort die Nacht, unter dem Sternenzelt der Wüste zu verbringen
Gemächlich schaukeln wir auf dem Rücken der Dromedare durch die Dünen, in Richtung Sonnenuntergang.
Leider verwehrt uns ein kleiner Sandsturm den Blick auf den bestimmt normalerweise Glutroten Sundown.
Die Nacht ist einfach herrlich. Am nächten Morgen mit jeder Menge Sand in den Laken und zwischen den Zähnen, reiten wir nach dem Frühstück wieder raus, aus der „Wüste aller Wüsten“.
Zwar haben wir nur einen kleinen Vorgeschmack der Sahara bekommen, aber der hat gereicht um uns eine Vorstellung der Größe dieses Sandmeeres zu geben.
Mit dem Auto folgt die stundenlange, einschläfernde Monotonie einer Wüstenfahrt. Das gleichmäßige brummen, der drehenden Räder auf dem Asphalt und die dazukommende Hitze machen es einem schwer die Augen aufzuhalten.
Fast hätten wir bei all der Monotonie unser Ziel, den Salzsee Chott El Jerid passiert, ohne es zu bemerken.
Weiß wie Schnee liegt das Salz neben den verbleibenden Tümpeln die in der flirrenden Hitze eigenartigerweise kühles Wasser in sich zu haben.
Wir führen dies, da es keiner von uns bersser weiss, auf die chemische Reaktion duch das Salz während der Verdunstung zurück.
Am späten Nachmittag erreichen wir die Wüstenstadt Tozeur. Lähmende Hitze empfängt uns. Sich Wind zuzufächern ist so, als halte man sich einen Heißluftfön direkt ins Gesicht.
Dennoch streifen wir durch die Altstadt und entdecken durch Zufall, in einem Hinterhof eine Art Künstercafe. Liebevoll aufgemacht, mit einem liebenswerten Bestitzer, der uns an den Leiter einer Walldorfschule erinnert und uns Mädels gleich kostenlosen Unterricht imTrommeln erteilt.
Es ist schön solche Plätze durch Zufall zu entdecken und die touristisch unverfälschte Gastfreundschaft der hiesigen Menschen kennenlernen zu dürfen.
Wir bleiben den ganzen Nachmittag, bis zum späten Abend , essen, reden und trinken Tee. Ein herrlicher Tag!
Früh klingelt der Wecker in unsererm Sieben-Euro-pro-Person-Hotel. Das Frühstück ist sehr überschaubar und da die Temperaturen, jetzt am frühen Morgen, die 40 Grad Marke noch nicht erreicht haben, heißt es nix wie los.
Es soll das einige Berg Oasen und Wasserfälle mitten in der Wüste geben – und auf der Suche nach diesen, sind wir hier zwischen die Gotteskrieger geraten.
Maschinenpistolen, Gewehre, Handgranaten, Panzerfäuste, Mienen und Kameras!

Wir sind mitten in ein Filmset geplazt. Die Filmleute sind nett, fragen nach dem woher und wohin und wir dürfen uns ungestört am Drehort umsehen.
Natürlich haben wir auch unsere drei Wasserfälle gefunden, nicht besonders groß, aber Wasserfälle in der Wüste sind halt troztdem eine tolle und fast schon surrealistische Erscheinung.
Auf dem Weg nach hause besuchen wir noch einige Bazare und lassen den Ganzen Zauber des Orients auf uns wirken.
Fast 1000 km Wüste liegen jetzt hinter uns. Eindrücke uns Erlebnisse die in so kurzer Zeit geschehen, brauchen einige Tage, bis man sie im Gehirn verarbeitet hat.
Dazu gehören besonders auch die kleinen Dinge, die einem einfach am Wegesrande begegnen.
Duzende von Ständen am Rande der Strasse, an denen Schafe und Ziegen angebunden sind und darauf warten direkt, unter den Augen, der vorbeifahrenden Autofahrern die Gurgel durchgeschnitten zu bekommen, genauso wie ihre Leidensgenossen, die bereits über ihnen aufgehängt mit durchgeschnittener Kehle ausbluten.
Die vielen Minitankstankstellen. In Plastikkanistern wird billiger Sprit aus Algerien eingeschmugelt und hier am Rande der Strasse literweise verkauft.
Die alten Schuhmacher in den Bazaren, die mit Liebe und Hingabe seit Jahrzehneten Tag ein Tag aus ihrer Tätigkeit nachgehen.
Es ist wie so oft auf einer solchen Reise: Niederschreiben kann man dies alles im Detail nur schwer. Die Bilder und die Erlebnisse sind im Kopf noch lebendig und jeder von uns wird sie für sich anders interpretieren.
Empfehlenswert ist eine solche Tour ins Landesinnere auf jeden Fall!

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