Falscher Fang

07. Juli 2008, Montag
35° 30' 31" N, 12° 35' 42" E


Ich liege im Cockpit auf dem Rücken, schaue in die schwarze Unendlichkeit des Universums, versuche die einzelnen Sternbilder zu erkennen und Odin zischt mit 20 Grad Schräglage am Wind mit bis zu acht Knoten in Richtung Lampedusa.( Soweit ich weiss, der südlichste Punkt Europas). Ein kleiner Fliegenschiss auf der Landkarte, kaum vom mitteleuropäischen Tourismus erschlossen, aber gerade desshalb reizt und dieses kleine Eiland zwischen Malta und Tunesien.
Eine Sternschnuppe folgt der anderen und mir gehen zwischenzeitlich die Wünsche aus.
Wir haben uns entschlossen, nachdem der Wind nicht so will wie wir, an Stelle von Sizilien einfach in die Gegenrichtung zu seglen, bevor wir noch in Malta Asyl beantragen nüssen oder automatisch eingebürgert werden.
Wie immer auf längeren Strecken, haben wir unsere Angel ausgebracht, als plötzlich die Leine wie wild lossurrt.
Jedoch ist es nicht der ersehnte Fisch, sondern genau das Gegenteil haben wir am Haken – nämlich eine große Möve.
Das unglückliche Tier hat sich den grossen Thunfischköder dermassen übel in die Flügel gerammt, dass es beim Versuch sich davon zu befreien immer mehr verletzt hat.
Wir bergen den Vogel, der total erschöpft keine Gegenwehr mit seinem grossen Schnabel mehr leistet aus dem Wasser.
Bertel versucht ihn irgendwie zu verarzten, aber die Wunden sind so gross, dass wir uns entscheiden, ihn von seinen Leiden zu erlösen.
Ich zittere am ganzen Körper, als Bertel dem imposanten Vogel mit einem scharfen Messer und einem schnellen Schnitt den Kopf abschneidet.
Mir stehen die Tränen in den Augen, gilt doch ein Vogel seit jeher unter Seeleuten als Glücksbringer. Ich fühle mich irgendwie schuldig und bestehe darauf, in Zukunft die Angel nur noch dort auszubringen, wo es keine doofen Möven gibt.

Was Lampedusa betrifft, so sind wir froh, uns diese Insel früher nie als Urlaubsziel ausgesucht zu haben. Zwar gibt es einige schöne, kristallklare Buchten, aber an sonsten viel Dreck, lieblose Architektur, Autovermietung an Autovermietung und absolut kein Flair.
Aber was soll, wir waren jetzt auf der südlichsten europäischen Insel und morgen geht es weiter, nächster Stop: Monastir.

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