03. Juni 2008

03. Juni 2008, Dienstag
Position unbekannt


Der zweite Tag auf See.
Seit dreissig Stunden brummt unser Schiffsdieseln mangels Wind vor sich hin.
Ein monotones, fast hypnotisierendes Geraeusch, welches meine Gedanken mit sich treagt, in laengst vergangene Geschehnisse und solche, die sich ausmalen, was uns auf dieser Reise noch alles passieren wird.
Zu der Monotonie des Motores kommt noch das gleichmaessige atmen des Meeres und die Sonne, die fast unertraeglich heiss vom wolkenlosen Himmel brennt.
Ploetzlich werde ich aus meinen Tagtraeumen gerissen, als ein knarrendes Surren die Monotonie durchschneidet.
Bertel, der die ganze Zeit gedoest hat, springt wie von der Tarantel gestochen auf und rennt ans Heck. An unserer neuen Hochseeangel hat zum ersten Mal ein Fisch angebissen.
Oh Gott, ein Fisch! Ich liebe Sushi, jedoch nur vom Japaner.
Aber jetzt: Blut, Fischmord, Gedaerme und das Vieh wird mich auch noch vorwurfsvoll anschauen!
Bertel ist im Jagdfieber und kaempft mit dem Fisch. Es ist ein ganz schoener Brocken - oh Gott, noch mehr Blut!
Warum kann Sushi nicht auf Baeumen wachsen?
Ploetzlich, ein Ruck, Bertel faellt fast hinten ueber, der Fisch hat sich losgerissen, mitsamt dem neuen Koeder!
Mein Skipper ist stinksauer und ich troeste ihn scheinheilig.
In Wirklichkeit freue ich mich naemlich, dass es kein Blutbad gab und der arme grosse Fisch, wenn auch jetzt geschmueckt mit einem huebschen Lippenpiercing, weiter seine Bahnen durchs Meer ziehen kann.

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